14.01.2019

Velden gibt die Richtung vor

Zweitwohnsitzen und baulichem Wildwuchs wird ein Riegel vorgeschoben. Der Gemeinderat der Marktgemeinde Velden am Wörthersee hat in seiner ersten Gemeinderatssitzung des Jahres 2019 eine Reihe von langfristig wichtigen Beschlüssen gefasst, die auch für die gesamte Wörthersee-Region beispielgebend sind: Das neue Örtliche Entwicklungskonzept und der neue Text des Bebauungsplanes der Marktgemeinde Velden schaffen einen klaren Rahmen für eine generationentaugliche Ortsentwicklung.

Das neue Örtliche Entwicklungskonzept und die überarbeiteten Bebauungspläne werden die Entwicklung der Marktgemeinde Velden am Wörther See in den kommenden Jahren neu definieren.

Um ein solide aufeinander abgestimmtes langfristiges Gesamtkonzept aller einer Gemeinde zur Ortsentwicklung zur Verfügung stehenden Steuerinstrumentarien erarbeiten zu können, war man in Velden auch bereit, einschneidende Maßnahmen zu setzen. Aufbauend auf einer befristeten Bausperre  im Seeuferbereich und der Deklaration zur nachhaltigen Entwicklung der Seeufer, wurden homogen aufeinander abgestimmt, ein neues Örtliches Entwicklungskonzept, der Text für den Bebauungsplan der gesamten Gemeinde und eine aktualisierte Vertragsschablone für privatrechtliche Vereinbarungen zwischen der Gemeinde und Baulandwidmungswerbern ausgearbeitet und einstimmig vom Gemeinderat beschlossen. Gleichzeitig wurde als Pilotzone bereits der Detail-Bebauungsplan für den kritischen Bereich des Wörthersee Südufers mit ausgearbeitet und ebenfalls vom Gemeinderat beschlossen.

Velden als Vorbild für die Wörthersee-Region

Velden schlägt damit einen Weg ein, der beispielgebend für die gesamte Wörthersee-Region sein könnte. Innerhalb der letzten beiden hat man, unter Beiziehung erforderlicher Experten aus allen Planungs- und Rechtsbereichen, ein Gesamtkonzept ausgearbeitet, das weiteren Zweitwohnsitzen und einer ungesteuerten Bebauung und Zersiedelung im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung einen klaren Riegel vor schiebt und Mechanismen festschreibt, die sowohl die baukulturelle Qualität, als auch das Landschaftsbild und eine verantwortungsvoll gesteuerte Wirtschaftsentwicklung langfristig steuert.

Alle in diesem Zusammenhang vom Veldener Gemeinderat getroffenen Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Und seitens aller Fraktionen war man sich auch bewusst, dass man mit diesem Maßnahmenpaket auch langfristige Selbstverpflichtungen im Interesse nachfolgender Generationen eingegangen ist, die es in der Gegenwart auch notwendig machen, in einzelne Vorhaben steuernd einzugreifen, sie zu beschränken oder gegebenenfalls auch abzulehnen.

Neues Kärntner Gemeindeplanungsgesetz gefordert

Die effizienten Steuerungsmöglichkeiten der Gemeinde sind dabei aber durch zahlreiche landes- und bundesgesetzliche Bestimmungen beschränkt. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Kärntner Gemeindeplanungsgesetz zu, dessen Novellierung von Seiten des Landes seit vielen Jahren in Aussicht gestellt wird. Während Bundesländer wie Salzburg und Tirol den Gemeinden deutlich wirkungsvollere Instrumente zur Steuerung der Ortsentwicklung in die Hand gibt, hinkt Kärnten in diesem Bereich immer noch nach.

Im Veldener Gemeinderat fand die Forderung von Bürgermeister Ferdinand Vouk, das Land Kärnten solle rasch ein neues und wirkungsvolles Gemeindeplanungsgesetz vorlegen, dass beispielsweise bei nicht in Anspruch genommenen Baulandreserven auch Rückwidmungen ermöglicht, breite Unterstützung der anderen Gemeinderatsfraktionen.

Solide Planungsgrundlagen

Die Markgemeinde Velden hat ein neues Örtliches Entwicklungskonzept beschlossen, das die Rahmenbedingungen zumindest für die nächsten 10 Jahre sowohl für die Raumplanung und bauliche Entwicklung, damit aber auch gleichzeitig für die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Perspektiven der Gemeinde vorgeben wird.

Die darin enthaltenen Grundlagen formulieren den Rahmen für zahlreiche zukünftige Detailkonzepte und Maßnahmen der Gemeinde in den Bereichen der Bebauungsplanung, Verkehrsplanung, oder Ortsbildentwicklung. Und es ist auch Steuerungsgrundlage für die Entwicklung der touristischen Bettenkapazitäten in den einzelnen Ortsteilen und die Eindämmung des Zuwachses an Zweitwohnsitzen.

Auf einer übergeordneten Ebene wird die funktionale Gliederung der einzelnen Ortsteile beschrieben. Auf Basis von Prognosen über die künftige Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung enthält das Örtliche Entwicklungskonzept auch Planungsgrundlagen und Ziele für wichtige Themen wie Wohnbaupolitik, Tourismusentwicklung, aber auch für die von der Gemeinde auf Grundlage dieser Prognosen sicher zu stellenden Strukturen und Kapazitäten in den Bereichen der Versorgungsinfrastruktur und gemeindeeigenen Einrichtungen wie Schulbauten, Kindergärten oder der technischen Versorgungsinfrastruktur.

Das Örtliche Entwicklungskonzept formuliert aber auch die Prinzipien für den Umgang mit Natur- und Erholungsräumen. Es enthält Einzelmaßnahmen, die den Schutz der Seeufer, der ökologischen Vernetzung der Wälder und Naturräume im Gemeindegebiet mit ihren verschiedenen Biotopen und Ufergehölzen betreffen.

Erarbeitet wurde das Örtliche Entwicklungskonzept unter Federführung der Ziviltechnikerbüros von DI Günter Lagler von der Lager, Wurzer & Knappinger Ziviltechniker GmbH  und DI Richard Resch. Die naturräumlichen Grundlagen im Seeuferbereich lieferte die Eb&p Umweltbüro GmbH, die baukulturellen Grundlagen kamen von ARCH+MORE ZT GmbH. Der gesamte Planungsprozess von nunmehr über zwei Jahren erfolgte in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Bauamt, dem Planungsausschuss, verschiedenen Fachausschüssen sowie dem Architekturbeirat der Marktgemeinde Velden.

Bebauungspläne legen die Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Bauvorhaben fest.

Der vom Veldener Gemeinderat ebenfalls einstimmig beschlossene Textliche Bebauungsplanes legt die wesentlichen Vorgaben für die Planung und Gestaltung neuer Bauvorhaben im gesamten Gemeindegebiet fest. Auf der Grundlage dieser Textfassung des Bebauungsplanes werden in weiterer Folge Schritt für Schritt die Teilbebauungspläne für die einzelnen Ortsteile erstellt.

Begonnen wird mit den Kernbereichen rund um den Wörthersee. Für den Bereich des Wörthersee Südufers wurde der neue Bebauungsplan bereits ausgearbeitet. In enger Zusammenarbeit des Bauamtes mit einer Planungsgemeinschaft aus Ziviltechnikern und Architekten unter Federführung von DI Richard Resch und DI Gerhard Kopeinig vom Architekturbüro ARCH+MORE ZT GmbH wurden die Vorgaben für die einzelnen Bereiche des Südufers entwickelt.

Bei der Festlegung des Bebauungsplanes für das Südufer war es der Gemeinde Velden besonders wichtig, einen offenen Dialog mit allen betroffenen Eigentümern zu führen. Nach der öffentlichen Präsentation im Sommer 2018 konnten auch Einwendungen zur Erstauflage des Bebauungsplanentwurfes vorgebracht werden.

In Einzelgesprächen mit allen  Einwendern wurde im Einzelnen diskutiert, welche Möglichkeiten der Realisierung künftiger Bauvorhaben auf den jeweiligen Grundstücken bestehen. Unter begleitender Beratung der von der Gemeinde beauftragten Ziviltechniker wurde mit den betroffenen Eigentümern erörtert, wie künftige Bauvorhaben und Projekte mit den Vorgaben des neuen Bebauungsplanes in Einklang gebracht werden können. Dabei wurde auch versucht, die neuen Zielsetzungen der Gemeinde näher zu bringen und Verständnis für die Raumordnungsinteressen der Gemeinde zu erwirken.

Durch diesen Dialogprozess ist es gelungen, mit der weit überwiegenden Zahl der Grundstückbesitzer einen Rahmen zu erarbeiten, innerhalb dessen sie ihre künftigen Vorhaben  in einer Weise entwickeln können, die auch den übergeordneten Interessen der Ortsbildpflege und Raumgestaltung entsprechen.

Im Bebauungsplan werden beispielweise Baulinien festgelegt, innerhalb derer künftige Bauten errichtet werden können. Diese tragen dazu bei, ein geordnetes Bebauungsbild zu erzeugen und auch wichtige Sichtachsen freizuhalten. Geregelt werden auch Bebauungsdichten, Bebauungsweisen und maximale Geschosshöhen. Die Festlegung von Baulinien oder maximalen Höhen von Zäunen soll unter anderem dazu beitragen, dass der freie Blick auf den See nicht vollständig verbaut wird.

Erstmals wurden auch Regelungen für das Grünland im Seebereich festgelegt. Damit soll einer weiteren Verbauung der Seeufer Einhalt geboten werden.

Der Bebauungsplan ist auch eine Hilfe, um potenzielle nachbarschaftliche Konflikte schon im Vorfeld zu vermeiden. Durch die Festlegung von maximalen Bauhöhen und Abständen ist auch für die jeweiligen Nachbarn ein gesicherter Rahmen gewährleistet, der deren Interessen schützt.

Es liegt in der Natur des erforderlichen Interessensausgleiches zwischen Individual- und Gemeinwohlinteressen, dass es auf der Grundlage des rechtlichen Rahmens, den der Bebauungsplan schafft, für die Gemeinde in Einzelfällen erforderlich ist, Bauvorhaben auch abzulehnen oder mit Auflagen zu versehen.

Für die Marktgemeinde Velden geht es dabei vor allem darum, eine Balance zwischen den Interessen einzelner Investoren, den Interessen der Bevölkerung und der unmittelbaren Nachbarschaft zu schaffen. Die Entwicklung der Gemeinde soll so gesteuert werden, dass Gemeinwohlinteresse, wirtschaftliche und touristische Interessen sowie private Vorhaben bestmöglich aufeinander abgestimmt sind.

Ein intaktes Orts- und Landschaftsbild ist eine Ressource, die nur einmal verbraucht werden kann.

Ein intaktes Orts- und Landschaftsbild ist gerade für eine Tourismusgemeinde wie Velden am Wörther See auch eine wichtige langfristige wirtschaftliche Ressource. Denn das ist es, was auch die meisten Menschen (abseits einzelner Großevents) in ihrem Urlaub suchen und erleben wollen: Sie sehnen sich nach Orten an dem sie sich wohlfühlen können, dessen baukulturelle Schönheit sie anzieht und der ihnen auch die Möglichkeit bietet, eine intakte Natur erleben zu können. Alle diese Faktoren sind gleichzeitig auch ein zentrales Element für das Wohlbefinden der Bewohner selbst.

Für die Wörthersee-Region ist der Tourismus seit den 1970er Jahren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er ist auch für die Marktgemeinde Velden die wichtigste Grundlage für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Die mit der Tourismusentwicklung einher gegangene Verbauung, vor allem des Wörthersee-Ufers seit den 1970er Jahren hat aber auch dazu geführt, dass man damit gleichzeitig genau jene Ressource immer stärker verbraucht hat, die die Grundlage des Tourismus bildet. Wenn man den „Verbrauch“ der Landschaft und die Überformung des Ortsbildes nicht steuernd einbremst und qualitätvoll wieder aufwertet, entzieht man künftigen Generationen ihre Lebensperspektiven.

Als zusätzliche Herausforderung kommt hinzu, dass sich die Strukturen dieses Immobilienbooms und die Betriebskonzepte der Tourismusbetriebe deutlich verändert haben. Waren es in den19 70er und 80er Jahren noch hauptsächlich klassische Beherbergungsbetriebe, Pensionen und Hotels, die gebaut wurden und deren Häuser auch Arbeitsplätze im eigenen Betrieb schaffen, haben in den vergangenen Jahren die Zweitwohnsitzimmobilien, die oft nur wenige Wochen im Jahr benutzt werden, deutlich zugenommen. Abgesehen von den damit zu erzielenden Renditen für Immobilieninvestoren, schaffen Zweitwohnsitze aber im Gegensatz zu traditionellen Beherbergungsbetrieben kaum Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort, treiben damit aber gleichzeitig die Immobilienpreise für die ortsansässige Wohnbevölkerung stark in die Höhe.

Architekturbeirat als Qualitätssicherungsinstrument

Auch ein solides Örtliches Entwicklungskonzept, Flächenwidmung- und Bebauungsplanung reichen nicht aus, um eine hochwertige Baukultur zu garantieren. Um Bauvorhaben in einer qualitätssichernden Form begleiten zu können, hat die Gemeinde Velden daher bereits vor 10 Jahren einen Architekturbeirat eingesetzt, der sowohl die Gemeinde selbst als auch private Bauwerber bei der Umsetzung ihrer Vorhaben berät.

Die Gestaltung der Begegnungszone im Ortszentrum, die etappenweise erweitert werden soll, aber auch die Begleitung von Projekten wie dem Schloss Velden oder des Gemonaplatzes und eine Reihe von weiteren Projekten wurden in den vergangenen 10 Jahren vom Architekturbeirat betreut. Die umgesetzten Projekte machen deutlich, dass die Erhaltung, Qualitätssicherung und laufende Aufwertung des Ortsbildes und der Baukultur eines Ortes nur gelingen kann, wenn man bei jeder einzelnen Maßnahme Kraft, Ideen und Kreativität investiert, um sowohl im Interesse der einzelnen Bauwerber als auch im Interesse aller Bewohner nach der jeweils bestmöglichen Lösung sucht.

Die Kraft liegt in der Gemeinsamkeit

In der Gemeinderatssitzung des Veldener Gemeinderates in dem das neue Örtliche Entwicklungskonzept, der Text für den Bebauungsplan,  sowie der Detailbebauungsplan für das Wörthersee-Südufer einstimmig beschlossen wurden, waren sich alle Gemeinderatsfraktionen darin einig, dass der von Velden damit eingeschlagene Weg eine Vorbildfunktion für die gesamte Wörtherseeregion hat. Er wird vor allem dann erfolgreich sein, wenn er in engagiertem Dialog und lebendiger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft gemeinsam gegangen wird. Bürgermeister Ferdinand Vouk fasste das Ergebnis der Sitzung so zusammen: „Die Bevölkerung und die nachfolgenden Generationen haben ein Recht auf Lebensqualität. Und mit diesen von allen gemeinsamen getragenen Beschlüssen haben wir eine ganz wichtige Grundlage dafür geschaffen.“

 

FOTOINFORMATION:

2 Jahre hat ein Expertenteam gemeinsam mit der Gemeinde am neuen Örtlichen Entwicklungskonzept, dem Text für den Bebauungsplan und dem Süduferbebauungsplan gearbeitet.

Von links: DI Markus Moser, Bauamtsleiterin Mag. Daniela Riepan, DI Richard Resch, Bürgermeister Ferdinand Vouk, DI Hartwig Wetschko, Arch DI Gerhard Kopeinig

Copyright: Hermann Sobe

 

RÜCKFRAGEHINWEIS:

Mag. Michaela Zingerle

BSX-Schmölzer GmbH / Im Auftrag der Marktgemeinde Velden am Wörthersee

Tel: 0 316 / 766 700 – 46

michaela.zingerle@bsx.at

 

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