01.12.2017

Stopp der Bauland- und Appartementhausentwicklung im Seeuferbereich in Velden

Der Wörthersee und insbesondere Velden hat eine sehr dynamische Entwicklung im Bauen seit den 1980iger Jahren durchgemacht-

Vor allem nimmt die Verbauung am Seeufer stark zu, dem wollen wir nun einen Riegel vorschieben

Denn es gibt kaum mehr öffentliche Seezugänge und der Blick auf den See ist in manchen Bereichen stark eingeschränkt

Wir sind eine Tourismusgemeinde und müssen sowohl für unsere Gäste als auch für unsere Bevölkerung  für Seezugänge und Grünbereiche sorgen.

Wir erleben wie kaum eine andere Gemeinde am Wörthersee seit vielen Jahren eine überaus dynamische Entwicklung und damit verbunden eine enorme Bautätigkeit und dieses rasche Wachstum haben das Orts- und Landschaftsbild nicht in jedem Fall aufgewertet.

Um eine Sicherung bzw. Hebung der Qualität zu gewährleisten, haben wir seit dem Jahre 2008 zur fachlichen Unterstützung einen Architekturbeirat eingesetzt.

Für diese Maßnahme und für die Bauprojekte Musikschule im alten Feuerwehrhaus und den sanierten Kindergarten in einer alten Baumgartner Villa, den neu errichteten Bildungscampus, die Begegnungszone und vieles mehr, erhielten wir 2016 einen österreichweiten Baukulturgemeindepreis.

 

Mit der Erlassung einer auf 2 Jahre befr. Bausperre für Grundstücke im erweiterten Uferbereich des Wörthersees hat der Gemeinderat im November letzten Jahres einen ersten Meilenstein zu einer nachhaltigen Entwicklung dieses zentralen Entwicklungsgebietes gesetzt.

Gemeinsam mit Experten und Touristikern mit Bürgerbeteiligung und dem eigens dafür eingerichteten Planungsausschuss Seeufer arbeiten wir seither intensiv an einer neuen Entwicklungsstrategie mit Zielen, konkreten Maßnahmen und Rahmenvorgaben für das Seeufer und den Hauptort Velden.

Dementsprechend streben wir eine Verbesserung und Sicherung des bestehenden Orts- und Landschaftsbildes, der Grün und Freiräume und nur mehr eine kleinstrukturiere Gebäudeentwicklung und Erhaltung an

Investitionen sind nur mehr möglich wenn sie unserem Leitbild entsprechen und sich orts- und landschaftsverträglich störungslos einbinden

 

1. Grundsatz:

Die touristischen Kernzone,  zwischen Klagenfurter Straße, Ortskern Velden und Süduferstraße wird  mittels einer „roten Linie“ abgegrenzt .

Innerhalb dieses Bereiches wird kein zusätzliches Bauland mehr gewidmet. Kleinräumige Arrondierungen und Baulanderweiterungen sind nur möglich, wenn diesen gleich große Rückwidmungen von Bauland in Grünland gegenüberstehen und das das geplante Projekt den Zielsetzungen der Gemeinde entspricht und der Gemeinderat dem Projekt und dem Widmungstausch mit 2/3 Mehrheit zustimmt.

Die Hauptintentionen liegen darin, kein weiteres Bauland mehr in der touristischen Kernzone zu widmen

 

2. Grundsatz:

Innerhalb dieser roten Linie werden zukünftig keine zusätzlichen Sonderwidmungen für Appartements oder Freizeitwohnsitze genehmigt.

Die widmungsgemäße Verwendung von Grundstücken und die baubewilligten Verwendungszwecke sowie die mögliche illegale Nutzung oder Vermietung von Wohnraum als Nebenwohnsitz wird stärker kontrolliert werden.

Wir werden die Entwicklung der Zweitwohnungen („Kalte Betten“) stoppen,

 

3. Grundsatz:

Der Grünbestand und ausgewiesene Biotopflächen im erweiterten Uferbereich sind zu erhalten und zu ergänzen, eine weitere Reduktion von Grünland, Waldflächen und Gehölzstrukturen wird nicht zugelassen.

Grünlandwidmungen im Seeuferbereich dürfen ebenfalls nicht in Bauland umgewidmet werden

Neben der Erhaltung des Lebensraumes für unsere Bürger soll damit auch eine qualitativ hochwertige Weiterentwicklung des Tourismus unterstützt werden.

Diese Grundsätze ausführlich dokumentiert in einer Deklaration hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Im Rahmen dieses Prozesses werden auch das Örtliche Entwicklungskonzept, der Flächenwidmungsplan sowie ein Großteil der Bebauungspläne aktualisiert und angepasst.

 

Die touristische Kernzone umfasst  ohne Wörthersee  112 ha bereits in Bauland gewidmet  u. unbebaut 13,5 ha Bleiben für die Planung  38 ha gewidmetes Grünland, 10 ha Verkehrsflächen und selbstverständlich das Baulandpotenzial von  13,5 ha übrig, das heißt auf den Punkt gebracht  das 61,5 ha entwickelt werden.

Wir mussten aber unserem aufwendigen, seit einem Jahr durchgeführten Planungsprozess feststellen, dass wir in Kärnten kein dem Zeitgeist entsprechendes Gemeindeplanungsgesetz haben und fordere ich dies auch vom Land Kärnten ein.

Ich hoffe dass auch die anderen Wörtherseegemeinden diesen mutigen aber notwendigen Schritt setzen um auch für die nächsten Generationen unsere Wörthersee Region noch lebenswert für Einheimische und Gäste erhalten zu können und unser Tourismus unsere wirtschaftliche Lebensader  sich qualitätsvoll weiterentwickeln kann.

Da ökonomische Interessen und Zwänge  auf Baukultur und Raumplanung und Raumordnung wenig Rücksicht  nehmen müssen wir als Gemeinde die uns zur Verfügung stehenden Planungsinstrumentarien aktiv in die Hand nehmen und unsere Verantwortung wahrnehmen!!!

 

Mit lieben Grüßen

Bürgermeister

Ferdinand Vouk

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